Begriffserklärungen

Bedürfnisse

Bedürfnisse äußern sich sowohl in dem, was wir haben (z.B. „Ich habe Vertrauen.“), als auch in dem, was wir brauchen („Ich brauche Sicherheit.“).

Sie lassen sich demnach erklären als Energiequellen in uns, die regelmäßig genährt werden müssen, damit sie uns mit Lebens-Energie versorgen können.

Je mehr diese(r) Energiequellen genährt sind, umso mehr Lebens-Energie haben wir.
Und umso mehr Lebens-Energie wir haben, desto einfacher fällt es uns, unsere Bedürfnisse zu nähren.

Allen Menschen wohnen dieselben Bedürfnisse inne.
Was Menschen voneinander unterscheiden kann, sind die von ihnen gewählten Handlungen, Bedürfnisse zu nähren.

Beispiele für Bedürfnisse:
physische Nahrung (Wasser, Lebensmittel, Sauerstoff)
Schutz, Obdach, ein Zuhause
Berührung, Zuwendung
Wachstum, Entwicklung, etwas Neues
Zeit, Kraft
Mut, Hoffnung
Autonomie/ Selbständigkeit/ Unabhängigkeit
Verbundenheit
Bewußtheit, Klarheit
Gehört werden
Geduld
Wirksamkeit
Unterstützung, Zusammenarbeit
Gemeinschaft
Erholung, Spiel, Besinnung
Vertrauen
Sicherheit
Akzeptanz
Liebe
Respekt
Geborgenheit

Siehe auch Konfliktlösung

Echtes inneres Ja

Bei einem echten inneren Ja sind Sie innerlich vollkommen zufrieden, Sie haben keine Bedenken, keinen Widerstand und spüren weder Frust noch Resignation bei der Vorstellung, auf eine Bitte, einen Vorschlag oder eine Einladung „Ja“ zu sagen.

Gefühle

Gefühle werden natürlicherweise verursacht von Bedürfnissen: sie sind die Botschafter, die Nachrichtenüberbringer der Bedürfnisse.

Dabei bedeuten angenehme Gefühle wie etwa Freude: „Im Moment läuft etwas gut, im Moment werde ich genährt.“; unangenehme Gefühle wie Frust sagen: „Hier läuft gerade etwas schief, ich werde nicht genährt.“.
Angst teilt uns mit: „Vorsicht, da kommt etwas auf uns zu, das uns schaden könnte.“

Ohne Gefühle – ohne dass die Bedürfnisse eine Möglichkeit hätten zu kommunizieren – blieben unsere Handlungen ein Ratespiel, wir hätten keine Möglichkeit zu unterscheiden, ob Umstände und Handlungen uns gut tun oder nicht.

Gefühle sind, genauso wie Bedürfnisse, allen Lebewesen zueigen.

Gemeinschaft

Gemeinschaft zeichnet sich durch das Interesse aus, dass es allen Teilen gut geht.
Dieses Interesse geht von jedem einzelnen aus und betrifft alle – also wiederum jeden einzelnen.

In Gemeinschaft ist es möglich zu lernen, zu wachsen, seine Persönlichkeit zu entfalten.

Eine Gemeinschaft leitet sich selbst; hierzu kann jeder Mensch mit seinen persönlichen Interessen, Kenntnissen und Fähigkeiten und nach seinem eigenen Maß beitragen. Regeln werden im Konsens aufgestellt oder im Konsens abgeändert. Jede Stimme zählt.
Autoritäten – Menschen, deren Stimme auf einem Gebiet mehr Gewicht hat, als die anderer – werden nicht etwa für einen längeren Zeitraum vorbestimmt, sie gehen projekt- und handlungsbezogen aus einer Situation hervor und werden hierin von den anderen bestätigt.

Es besteht das unbedingte Vertrauen, dass Menschen nur dann an einer Entscheidung mitwirken, wenn diese ein persönliches Interesse daran haben und ihre Kompetenz für ausreichend erachten, um beizutragen.

Schließlich kann eine Gemeinschaft auf einen stetig wachsenden Schatz von gemeinsamen Erfahrungen zurückblicken: Sowohl auf Anlässe zum Innehalten und unmittelbaren Bedanken, als auch auf gemeinsam überstandene Krisen und Konflikte, in denen jede/r als Teil des Ganzen geachtet wurde und sich an der Problemlösung beteiligen konnte.

So bedeutet Gemeinschaft immer auch ein Stück Geborgenheit, ein Stück Zuhause.

Individuation

Persönlichkeitsentwicklung, Persönlichkeitsentfaltung.

Hierzu gehören einerseits Möglichkeiten, um Kenntnisse und Fähigkeiten zu erlernen, die den Interessen der Person entsprechen und seiner Entfaltung dienen.
Und andererseits ein Handeln aus dem sich stets weiterentwickelnden Bewußtsein, dass Menschen aufeinander angewiesen sind.

Konfliktlösung

Ein Konflikt kann dann im vollkommenen Einverständnis (also so, dass alle Beteiligten vollständig zufrieden sind) gelöst werden, wenn die am Konflikt beteiligten Personen willens und in der Lage sind, ihre eigenen und die Bedürfnisse der Übrigen in Worte zu fassen.

Zur Konfliktlösung notwendig ist demnach ein Bewusstsein um Bedürfnisse und die Fähigkeit, diese auszudrücken bzw. zu hören.

Wichtig für das Auffinden einer Lösung ist, zu unterscheiden zwischen Bedürfnissen und Wünschen.

Sagt jemand:
„Ich habe das Bedürfnis, dass das Fenster geschlossen bleibt.“, so drückt er damit kein Bedürfnis aus, sondern einen Wunsch.

Sich einander Wünsche mitteilen führt nur dann zu einer Einigung, wenn sich die Wünsche in ihrer Erfüllung nicht gegenseitig ausschließen.

„Ich möchte, dass das Fenster geschlossen bleibt.“ – „Ich möchte, dass wir es öffnen.“
Dies sind Wünsche, die sich in ihrer Erfüllung gegenseitig ausschließen.
Und die Lösung „Fenster 10 Minuten auf, danach zehn Minuten zu; danach wieder auf und wieder zu und…“ ist nur ein Kompromiss, der die zugrundeliegenden Bedürfnisse beider Parteien kaum vollständig berücksichtigt.

Nachfolgend ein Beispiel, wie dieser Konflikt gelöst wird, indem sich die Aufmerksamkeit auf die zugrundeliegenden Bedürfnisse ausrichtet:

[„Fenster zu“] Ich hatte einen stressigen Tag und brauche Ruhe und Erholung.

[„Fenster auf“] Und ich brauche unbedingt was frische Luft.

[„Fenster zu“] Du brauchst frische Luft?

[„Fenster auf“] Ja. Und du Ruhe und Erholung?

[„Fenster zu“] Genau. Mmhm…, wie wäre es, wenn wir zum Weiher gehen und dort ein paar Runden ums Wasser drehen?

[„Fenster auf“] Prima, dann kriegen wir sogar noch was Bewegung! Komm, auf geht’s 🙂🙂


Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder die andere hierzu sagt: “So einfach soll das gehen!?”.
Die Antwort ist eindeutig: “Ja und Nein.”.

Für Menschen, die es gewohnt sind, in Bedürfnissen zu denken und zu sprechen, für diese Menschen ist es leicht, sich – selbst in einer Konfliktsituation – zu einigen.
Denn das Bewusstsein um Bedürfnisse fördert kooperatives und gemeinschaftliches Verhalten ebenso wie Einfallsreichtum für das Finden einer Lösung.

Menschen hingegen, die es gewohnt sind, auf der Handlungsebene zu denken und zu sprechen, für diese Menschen geht es in einem Konflikt eher darum, nicht zu unterliegen.
Hier braucht es Zeit, Geduld, Übung und Beharrlichkeit, dass die Erfahrung gemacht werden kann: Das Kommunizieren in Bedürfnissen ist nicht etwa ein unbekannter Trick, jemanden dazu zu bringen zu tun, was man will. – Nein:
Das Kommunizieren in Bedürfnissen ermöglicht die Begegnung auf Augenhöhe und führt zu Beziehungen, die auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt beruhen.

Konsens

Übereinstimmung. Vollkommenes Einverständnis aller Beteiligten mit einer vorgeschlagenen Handlung oder Entscheidung.

Für einen Konsens, für eine Einigung auf Handlungen, die alle gutheißen, sind unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen von Vorteil.
Insbesondere, wenn die Aufmerksamkeit auf die in Meinungen und Sichtweisen meist unbewußt geäußerten BedürfnisseBds gelenkt wird.

Alle Menschen haben dieselben Bedürfnisse.

Allerdings sind selten bei bei allen Menschen dieselben Bedürfnisse zur gleichen Zeit aktiv: Nicht alle brauchen zur gleichen Zeit unbedingt dasselbe.
In einer gegebenen Situation werden also bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Bedürfnisse beim Finden des Konsens eine Rolle spielen.

Für einen Konsens ist es notwendig, die verschiedenen Bedürfnisse gleich ernst zu nehmen. Erst diese mehr oder weniger bewußte und gleichwertige Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Beteiligten führt zum Konsens.

Soziale Wirksamkeit

Wirksam sein, Dinge nach eigenen Vorstellungen in Bewegung setzen, ist ein Bedürfnis, das alle Menschen teilen.
Soziale Wirksamkeit bedeutet, Dinge auf solche Weise in Bewegung zu setzen, dass sie die Bedürfnisse anderer mit berücksichtigen, also auch anderen nutzen und dem Gemeinwohl dienen.

Verbundenheit

Verbundenheit ist ein Zustand, in dem ich von Herzen daran interessiert bin zu wissen, wie es mir und den mich umgebenden Menschen gerade geht, was also die anderen und ich jetzt gerade brauchen, dass es jedem einzelnen von uns vollumfänglich gut geht.

Dieser Zustand befähigt, auf eine Weise für sich und füreinander zu sorgen, dass andere keinen Mangel, sondern eher selbst auch Fülle erfahren.

Gleich, ob im kreativen, im zwischenmenschlichen oder im politischen Bereich werden über Verbundenheit Dinge möglich, die vorher undenkbar waren.